Ausführungsregeln für professionelle Fugenabdichtungen

Die HAUPTFUNKTION von elastischen DICHTSTOFFEN in FUGEN ist die ABDICHTUNG gegen unterschiedliche Arten von BELASTUNGEN. Man unterscheidet beispielsweise in Witterungs- oder Umwelteinflüsse (Regen, Frost, Hitze, chemische Stoffe, sonstige Flüssigkeiten, UV, …) und in mechanische Einwirkungen wie Druck-, Schäl-, Zug- und/oder Scherbelastungen! Damit DICHTSTOFFE im FUGENBEREICH (Zwangsfuge) von angrenzenden Bauteilen eine funktionierende ABDICHTUNG auch leisten können, müssen mehrere Voraussetzungen gewährleistet sein. Dies bedeutet, dass die Grundkonstruktion der Fuge bereits von Beginn an auf die späteren Anforderungen hin abgestimmt sein muss. Und ganz wichtig, es muss natürlich auch immer ein passender Dichtstoff verwendet werden! Außerdem sollte der Dichtstoff mit der richtigen Verarbeitungstechnik auch FACHGERECHT in die Fuge eingebracht werden. Nur wenn auch an den sensiblen FUGENFLANKEN eine sehr gute Haftung des Dichtstoffes gesichert ist, kann die Dichtstofffuge wechselnde Arten von Belastungen gut ausgleichen und die geforderte FUNKTION der ABDICHTUNG während des anvisierten Zeitraumes, normalerweise auch ideal erfüllen!

Fachgerechte Fuge in Anlehnung an die Begriffsdefinition nach DIN 18 540

In den vielen Richtlinien und Vorschriften zur korrekten VERARBEITUNG von spritzbaren Dichtstoffen und zum fachgerechten Aufbau von Dichtstofffugen wird häufig auf die DIN 18 540, „Abdichten von Außenwandfugen mit Fugendichtungsmassen im Hochbau“ hingewiesen.
Wie auch in unserer nachfolgenden Illustration zur Fugenabdichtung (Abb.-1) angedeutet, ist die Fugentiefe (TF) in normalen Bauwerken bei den meisten Fugen (Zwangsfugen) bautechnisch bedingt, oft wesentlich tiefer, als eigentlich gewünscht. Daher muss der Fugenzwischenraum noch vor dem Ausspritzen mit Dichtstoff mit geeigneten Mitteln in der Tiefe entsprechend begrenzt werden, damit eine funktionsfähige Abdichtung hergestellt werden kann. Hierzu verwendet der Fachmann vorzugsweise eine spezielle PE-Rundschnur (Bestimmung der Wasseraufnahme von zugelassenem Hinterfüllmaterial nach DIN 52 459), die er vorsichtig in den Fugenhintergrund einbringt. Vom Durchmesser her sollte die Rundschnur etwa 20% größer sein als die eigentliche Fugenbreite (BF). Dadurch kann auch die unerwünschte Anhaftung des Dichtstoffes an 3 starren Flächen erfolgreich verhindert werden. Aufgrund der formgebenden Wölbung einer PE-Rundschnur erhält man in der FUGENMITTE der abzudichtenden Bauteilflächen automatisch eine geringere Tiefe des Dichtstoffes (TD) als an den seitlichen Haftflächen (BH). Durch einen technisch so konstruierten Fugenaufbau mit einer geringeren Materialstärke in der Fugenmitte wird erreicht, dass auch der Widerstand hier am geringsten ist. So werden die empfindlichen FUGENFLANKEN bei möglichen Bauteilbewegungen optimal entlastet und die Hauptbelastung, automatisch in die flexiblere Fugenmitte verlagert.

DE: Illustration mit fachtechnischen Begriffen zur „Fugenabdichtung“

Abb. 1 | P-1

DE: Die HAUPTFUNKTION von elastischen Dichtstoffen ist „ABDICHTEN

Abb. 2 | P-2
DE: Zugbelastung

Abb. 3 | P-3
DE: Druckbelastung

Abb. 4 | P-4
DE: Scherbelastung

Abb. 5 | P-5
DE: Schälbelastung

Abb. 6 | P-6
DE: Dreiflankenhaftung

Abb. 7 | P-7
DE: Zweiflankenhaftung

Abb. 8 | P-8
DE: fachgerechte Ausführung einer Außenwandfuge nach DIN, Oberfläche gerade

Abb. 9 | P-9
DE: fachgerechte Ausführung einer Außenwandfuge nach DIN, Oberfläche konkav

Abb. 10 | P-10
DE: Dreiecks-Fase,
falsch-1

Abb. 11 | P-11
DE: Dreiecks-Fase,
falsch-2

Abb. 12 | P-12
DE: Dreiecks-Fase,
richtig-1

Abb. 13 | P-13
DE: Dreiecks-Fase,
richtig-2

Ausführungsbeispiel eines fachgerechten Boden-/Wand Aufbaus mit Anschlussfuge

Wussten Sie schon, was der normale Heimwerker gerne unterschätzt und teilweise einfach nicht wissen kann,…

… dass für eine fachgerechte Fugenausbildung doch einiges an guter Vorbereitung notwendig ist! Daher sollte bereits vor dem Verlegen und Verkleben von Fliesen oder anderen Boden- und Wandbelägen dringend berücksichtigt werden, dass zwischen aneinanderstoßenden Bauteilen an Boden, Wand, Decke oder zu Objekten der empfohlende Abstand auch eingehalten wird. So sind viele Bauteile im Zuge der Bauaustrocknung, durch Witterungseinflüsse oder sonstiger Umstände im Laufe der Zeit mehr oder weniger starken Belastungen ausgesetzt. Nur wenn sich die betroffenen Bauteile bei Bedarf genügend ausdehnen- bzw. setzen können, kann davon ausgegangen werden, dass sie diese Auswirkungen schadlos überstehen. Aus diesem Grund sollte bitte rechtzeitig vor Beginn der eigentlichen VERFUGUNGS- bzw ABDICHTUNGSARBEITEN mit elastischen Dichtstoffen (Acryl, MS-Polymer, PU, Silikon, …) geprüft werden, ob die Ausführungsfachregeln der betreffenden Gewerke und/oder der Dichtstoffhersteller möglicherweise empfehlen, dass VOR DEM EINSPRITZEN VON DICHTSTOFF ein sog. HINTERFÜLLMATERIAL (PE-Rundschnur/PE-Folie) vorsichtig und fachgerecht in den FUGENHINTERGRUND einzubringen ist. So könnten die unerwünschten Folgen einer 3-Seitenanhaftung des Dichtstoffes an drei starren Flächen/Seiten von vornherein, erfolgreich verhindert werden.

Abb. 14 | P-14
DEHinterfüllmaterial, PE-Rundschnur,
nicht wassersaugend

Abb. 15 | P-15
DE: Einbringung der PE-Rundschnur
in den Fugenhintergrund

Als Hinterfüllmaterial wird i. d. R. nicht wassersaugendes Rundprofil wie z. B. eine „PE-Rundschnur“ gemäß DIN 52 459 empfohlen. Laut einschlägiger Ausführungsfachregeln kann die Fugentiefe dadurch vorschriftsmäßig begrenzt- und somit auch eine unerwünschte 3-Seitenhaftung des Dichtstoffes erfolgreich verhindert werden. Die Rundschnur sollte beim Einbringen in den Fugenhintergrund nicht verletzt werden. Wie auch in den nebenstehenden Abbildungen gezeigt, verwenden Sie hierzu idealerweise einen eher stumpfen und abgerundeten Gegenstand (z.B. einen kleinen Holzstiel, der ja oft bei Speiseeis am Stil für Kinder angeboten wird), um die Fugenschnur vorsichtig in den Fugenhintergrund einzudrücken.

DE: Dimensionierung von Fugen

WICHTIG: die Angaben in obiger Tabelle zur „DIMENSIONIERUNG von FUGEN zwischen Betonbauteilen im Hochbau gemäß DIN 18 540“ dürfen bitte lediglich als Anhaltspunkte und nur als UNVERBINDLICHE EMPFEHLUNG betrachtet werden. Die hier verwendeten Wert- bzw. Maßangaben beziehen sich lediglich auf ein Beispiel eines einzigen Herstellers bei Verwendung eines elastischen Dichtstoffes mit 25% zulässiger Gesamtverformung! Außerdem geben die Maßangaben immer den ungefähren ENDZUSTAND der FUGEN NACH AUSTROCKNUNG- bzw. AUSHÄRTUNG des entsprechenden Dichtstoffes! Fugendichtstoffe unterschiedlicher Konsistenz verhalten sich während der Austrocknung meistens unterschiedlich – kommen die Dichtstoffe auch noch von verschiedenen Herstellern, tun sie dies sowieso. Deshalb wären exakte Werte an dieser Stelle zahlenmäßig nur kompliziert und sehr aufwändig zu ermitteln. Damit die Fugen- und Abdichtungsarbeiten auch gut gelingen können, möchten wir auch an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Empfehlungen zur Verarbeitung und die Handhabungshinweise der betreffenden Hersteller der Dichtstoffe möglichst exakt einzuhalten sind. Außerdem sollte man die anerkannten Fachregeln der betreffenden Gewerke beachten und sich an der o. g. DIN-Richtlinien in der aktuellsten Form orientieren. Je besser man alle diese Vorgaben einhält, desto eher werden die Abdichtungsarbeiten auch technisch fachgerecht ausgeführt!

WEITERE INFOS:          Wartungsfuge, Auszug der Begriffsdefinition nach DIN 52 460

Die WARTUNGSFUGE ist eine starken chemischen und/oder physikalischen Einflüssen ausgesetzte Fuge, deren Dichtstoff in regelmäßigen Zeitabständen überprüft und ggf. erneuert werden muss, um Folgeschäden zu vermeiden. Je nach verwendetem Material haben elastische Dichtstoffe durchaus unterschiedliche Grenzen in deren Belastbarkeit. Allerdings werden diese bei normaler Nutzung meistens weder erreicht- noch überschritten.

WICHTIG: Die so definierte WARTUNGSFUGE unterliegt NICHT der GEWÄHRLEISTUNG üblicher Verfugungsarbeiten! Schon im Hinblick auf die möglichen Konsequenzen eines späteren Schadenfalles bedeutet dies jedoch gleichzeitig, dass eine als WARTUNGSFUGE definierte Fuge bereits VOR AUSFÜHRUNG der Arbeiten als solche genau benannt- und schriftlich festgelegt werden muss.

Für alle jene, die sich i. S. FACHGERECHTER FUGENAUSBILDUNG für noch mehr Details interessieren, möchten auch wir gerne ebenfalls auf die Angaben in der betreffenden DIN 18 540– und hier insbesondere auf den Absatz 5 verweisen, indem der konstruktive Aufbau einer fachgerechten Aussenwandfuge genau geregelt ist! Die meisten Verarbeitungsempfehlungen und Vorschriften zur fachgerechten Fugenausbildung beziehen sich oft auch auf besagte DIN-Vorschrift und deren Angaben zum ABDICHTEN VON AUSSENWANDFUGEN MIT FUGENDICHTUNGSMASSEN im Hochbau. Außerdem verweisen wir auch an dieser Stelle, bei allen Arbeiten die jeweiligen Fachregeln der betreffenden Gewerke zur korrekten Ausführung zu beachten und die Verarbeitungshinweise der Dichtstoffhersteller möglichst 1:1 einzuhalten!